Dynamik kultureller Normen

Schwerpunkt des Zentrums für Interkulturelle Studien (ZIS) auf dem Wissenschaftsmarkt am 10./11. September 2005

Identität „Europa“ – eine neue Norm?

Generiert der Begriff einer Identität „Europa“ eine neue Norm? Was hat ein älteres Verständnis von Europa mit einem neuen noch gemein? Sind wir nur noch transatlantisch gesehen das „Old Europe“ und wie gestaltet sich die neue Norm?

Im Gespräch mit SWR-Moderator Dr. Frank Wittig werden Prof. Dr. Alfred Hornung (Amerikanistikprofessor und Direktor des Zentrums für Interkulturelle Studien) und Prof. Dr. Jan Kusber (Professor für osteuropäische Geschichte) zu der außereuropäischen Perspektive der beiden Großmächte USA bzw. Russlands Stellung beziehen (vgl. Bühnenprogramm) . Wie steht es um die Befürchtungen eines erstarkenden vereinten Europas und inwieweit suchen die beiden Weltmächte die Verknüpfung bzw. betrachten sich als ausdrücklich separiert?

Die aktuell am kontroversesten geführte Debatte in Politik und Medien ist die um den angestrebten EU-Beitritt der Türkei . Welch lange Tradition die Annäherung der Türkei an Europa hat, wird dabei meist kaum offensichtlich. Das türkische Generalkonsulat und der amtierende Ausländerbeirat der Stadt Mainz informieren über Hintergründe.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Kolonialgeschichte steht in Europa noch in den Anfängen. Die Geschichte schwarzer EuropäerInnen, deren momentane Zahl immerhin auf 18 Millionen geschätzt wird, ist weitestgehend unbekannt. Einem wissenschaftlichen wie politischen Desinteresse steht eine Jahrhunderte alte Geschichte schwarzer EuropäerInnen gegenüber. Einige wenige haben einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt, wie der Hallensche Philosophieprofessor Wilhelm Anton Amo oder die Schriftsteller Alexander Puschkin und Alexandre Dumas, das Schicksal der meisten, etwa das der im Nationalsozialismus zwangssterilisierten Afro-Deutschen, ist jedoch gänzlich in Vergessenheit geraten. Das Forschungszentrum Schwarzes Europa, vertreten durch Peggy Piesche, M.A., und Dipl.-Psych. Timo Wandert, informiert am Stand und hat einen Test zur Prüfung der eigenen Vorurteilshaftung vorbereitet.

Heute sind EU-stärkende Ambitionen vordergründig als marktwirtschaftlich und politisch wahrnehmbar. Sind sie von den historisch betrachtet als Idealismen eines "Vereinten" Europas erscheinenden Interessen klar zu trennen? Testen Sie Ihre Einschätzung in einem Quiz zu den Äußerungen bekannter Persönlichkeiten.

Trainiert wird zunehmend die interkulturelle Kompetenz für Reisen und Geschäftskontakte in außereuropäische(n) Länder(n). Aber wie verhält es sich mit der innereuropäischen interkulturellen Kompetenz? Am Stand erhalten insbesondere pädagogische Fachkräfte Beratung von der interkulturellen Trainerin Dr. Andrea Cnyrim. Zusätzlich zur Beratung am Stand wird ein Workshop (Samstag, den 10.9., 13-15 Uhr) mit einer begrenzten Teilnehmerzahl angeboten, zu dem Sie sich bereits vorab anmelden können.

Der normative Stellenwert des Holocausts in der deutschen Kultur

Ein institutionalisiertes Gedenken des Holocausts und ein daraus entwickeltes historisches Verantwortungsbewusstsein sind in weiten Bewusstseinskreisen der Bundesrepublik zur anerkannten Norm geworden. Dennoch gibt es Brüche bei der Integration dieses normativen Stellenwerts in die deutsche Kultur, insbesondere bei der (Re-?)Formulierung einer nationalen Identität. Ihre Meinung zu diesem Thema würde uns interessieren. Es liegen anonymisierte Fragebögen aus, deren Ergebnisse ausgewertet und veröffentlicht werden. Die Sozialwissenschaftlerin Dr. Bernadette Jonda steht Ihnen für Fragen zur Auswertung am Stand zur Verfügung.

Der Jazz – Auflösung musikalischer Normen?

Der Jazz gehört zu den Musikrichtungen, die am heftigsten gewohnte musikalische Normen gebrochen haben. Wie geschieht dies im Einzelnen und wie ist dabei Neues entstanden, was uns als Jazz-Norm nun wiederum gewohnt und vertraut ist. Dies erfahren und testen Kinder in einem Workshop mit dem langjährigen Jazz-Musiker Holger Wittkowski.

Treffen für den Kinderworkshop Samstag und Sonntag jeweils um 15.30 Uhr am Stand in Zelt 4.

Wie bei der Analyse der Jazzharmonik bestehende Nomenklaturen aufgebrochen und neu kombiniert werden können, veranschaulicht der kommissarische Leiter der Jazzabteilung der Hochschule für Musik, Rheinlandpfalz Konrad Georgi computergestützt am Samstag von 10-13 Uhr am ZIS-Stand.