Kulturgeographisch-archäologische Forschungen zur Geschichte der Kyrenaika

Das Projekt eröffnet in einem repräsentativen Ausschnitt die breit angelegte kulturgeographisch-archäologische Erforschung des Hinterlands (griech. Chorai) der antiken griechischen Städte in der Kyrenaika (ca. 600 v. Chr. - 400 n. Chr.). Die zentrale Frage bildet das Spannungsfeld zwischen Resistenz und Entgrenzung indigener Ethnien gegenüber zugewanderten, aber einen Führungsanspruch erhebenden Volksgruppen. Die materielle Hinterlassenschaft wird als Indikator für die betreffenden Verhaltensweisen bzw. Prozesse des Kontakts gewertet. Mit den vorgesehenen empirischen Untersuchungen soll ein Beitrag zur Interkulturalitätsforschung in einer historisch bedeutenden Region Nordafrikas geliefert werden. Als Ziel verfolgt das Projekt eine weit über den aktuellen Forschungsstand hinausgehende kulturgeographische und historisch-archäologische Auswertung der Einzelergebnisse in Hinblick auf natur- und humaninduzierte Veränderungen der Landschaft.

Die 2008 über sechs Wochen geplante Arbeitskampagne fokussiert auf drei Fallbeispiele: das urbane Zentrum Kyrene, die zu ihm gehörige Hafenstadt Apollonia und die weiter westlich an der libyschen Küste gelegene Polis Ptolemais. Auf dem breit gestuften Nordabhang des Djebel Akhdar sollen zwischen diesen Zentren die Kommunikationslinien und infrastrukturellen Gegebenheiten genau untersucht und auf ihre interkulturellen Wechselwirkungen hin analysiert werden. Im Vordergrund stehen die griechischen und römischen Straßentrassen zwischen Kyrene und Apollonia; die Verkehrslinien nach Ptolemais sollen in einem zweiten Arbeitsschritt zum Vergleich herangezogen werden. Auf lange Sicht können auch Fragestellungen der archäologischen Stratigraphie und der antiken Religionsgeschichte durch systematisch-analytische Detailprojekte (Ausgrabungen) zu städtischen und ländlichen Siedlungsmustern eingebunden werden.

Als historische Landschaft steht die Kyrenaika zur Zeit im zentralen Blickpunkt der Regierung der libyischen Volksrepublik und der UNESCO. Ein nicht unbedeutender Aspekt der Arbeit ist die Vermittlung von denkmalpflegerischem Knowhow an das Department of Antiquities of Libya, vor allem auch durch die Mitarbeit der BTU Cottbus.

Projektlaufzeit:  Oktober 2008- November 2008

Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Detlev Kreikenbom (Institut für Altertumswissenschaften)
Prof. Dr. Anton Escher (Geographie) 
Prof. Dr. Thomas Weber (Institut für Altertumswissenschaften)

Kooperationspartner: 
Prof. Dr. H.-R. Goette  (Deutsches Archäologisches Institut, Berlin)
Department of Antiquities der Volksrepublik Libyen
Lehrstuhl für Baugeschichte der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus