Bedingungen des Internationalismus als olympische Norm. Idee und rationales Kalkül in der Subsinnwelt der Internationalen Olympischen Akademie aus sozialkonstruktivistischer Sicht

Das zentrale Forschungsziel der geplanten Studie ist die Erfassung und Erklärung des „Internationalismus“ als menschliches Handeln im Spannungsfeld zwischen normativer Idee und rationalem Interesse. Die Intention des Forschungsvorhabens konzentriert sich demnach auf die Frage, wie Menschen verschiedenster Kulturen (in dieser Studie werden alle großen Kulturräume der Welt berücksichtigt) bei unterschiedlicher Sozialisation den „Internationalismus“ in einer relativ unpolitischen Umgebung (hier die Internationale Olympische Akademie (IOA)) leben und erleben. Im Mittelpunkt der geplanten Studie steht also nicht der wissenschaftliche Diskurs um beispielsweise historische oder pädagogische Definitionen und Interpretationen des Internationalismus, sondern die Ergründung und Erklärung des „Internationalismus“ als soziales hypothetisches Konstrukt an der IOA. Hierzu richtet sich das Erkenntnisinteresse des Forschungsvorhabens insbesondere auf die Bedingungsfaktoren des „Internationalismus“, welcher zum einen als eine olympische Norm und zum anderen als ein rationales Interesse oder Kalkül gefasst wird. Die Frage um die soziale Konstruktion des „Internationalismus“ als normative Idee und rationales Interesses ist weiterhin auf der Handlungsebene stark mit einer philosophischen und anthropologischen Betrachtung des Menschen verknüpft. Ist der „Internationalismus“ an der IOA vorwiegend normativ oder rational motiviert? Oder abstrakt formuliert: Ist der Mensch in seinem Verhalten diesbezüglich zu normativem Handeln fähig oder beruht letztlich doch alles auf einem rationalen Kalkül? Wie bereits angesprochen berühren diese Aspekte auch die philosophische Auseinandersetzung um die „Natur des Menschen“, die „Conditio Humana“ (vgl. Plessner 2003).

Im Zuge einer sich immer weiter globalisierenden Welt, hoher internationaler (Arbeits‐)Mobilität, intensiver Kommunikation (durch das Internet, aber auch durch das verwobene Wirtschaftssystem) ist der „Internationalismus“ als Untersuchungsgegenstand von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Ziel dieser Forschungsarbeit ist es auch, den interkulturellen Umgang von Menschen in verschiedenen Handlungssituationen zu ermitteln.

Dazu sollen im Sinne der Interdisziplinarität und eines Theorienpluralismus ein ökonomischer (Rational‐Choice‐Theorie) und soziologischer Ansatz (Sozialkonstruktivismus) miteinander verbunden werden, um handlungstheoretische Ableitungen des „Internationalismus“ bieten zu können.

Konkret gilt es u.a. zu ermitteln:

• Wie der „Internationalismus“ bei den Teilnehmern der Internationalen Olympischen Akademie (IOA) „sozial konstruiert“ wird. D.h., ist der „Internationalismus“ bei allen Menschen ähnlich oder lassen sich Subtypen identifizieren? Wenn ja, welche Rolle spielen die Kultur und die Religion des Heimatlandes bei der Konstruktion des „Internationalismus“ durch die IOA Teilnehmer? Welche Rolle spielt die olympische Kultur, welche Rolle spielen rationale Interessen im Kalkül und welche Rolle spielen kulturell geprägte Werte und Normen?

• Wie nachhaltig wirkt der an der Akademie erlebte „Internationalismus“?

• Wie tief verankert ist der „Internationalismus“ und wie äußert sich dieser nachdem die „ideelle Welt“ (Internationale Olympische Akademie) verlassen wurde?

• Wie verändert sich das Verhältnis zwischen rationaler und wertebasierter Interaktion bei zunehmendem Handlungsdruck?

Das Forschungsinteresse richtet sich insbesondere auf die Bedingungen des interkulturellen Austauschs zwischen den Teilnehmern dieser IOA‐Session sowie auf den „Internationalismus“ als Teil der Olympischen Idee, welcher (scheinbar) Grenzen zu überwinden und Konflikte auszublenden vermag. Dabei geht es zum einen um die soziale Konstruktion und Interpretation des „Internationalismus“ als eine Einstellungskomponente und zum anderen um handlungspraktische Konsequenzen einer solchen im Alltag, die bei verschiedenem Handlungsdruck und situativem Rahmen (z.B. im sportlichen Wettkampf) in der Relation zwischen Norm und rationalem Kalkül variieren.

Projektlaufzeit: Juli 2008-lfd.

Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Holger Preuss (Sportökonomie, Sportsoziologie)
Dr. Norbert Schütte (Sportsoziologie)

Kooperationspartner:
Prof. Dr. Benoit Seguin (University of Ottawa, Canada; Faculty of Health Science)
Prof. Dr. Lamartine DaCosta (University of Gama Filho, Rio de Janeiro)
Prof. Dr. Shin‐Pyo Kang (University of Inje, Academy of Humanities and Social Sciences Inje University, Südkorea)