International Women`s Film Research Network

Aktuell: Internationales Symposium: Grenzüberschreitungen: Transkulturelle Perspektiven in Filmen von Regisseurinnen
16./17. Oktober 2009

Call for Papers  (anlässlich des Internationalen Frauenfilmfestivals Köln / Dortmund (IFFF); Termin nun verschoben)

Globalisierungsprozesse werden maßgeblich durch die rasante technische Entwicklung der Massenmedien forciert, die einen weltweiten kulturellen Austausch ermöglichen, da Medieninhalte auf digitalem Weg jederzeit abrufbar sind. Durch diese Verbreitung von künstlerischen, wissenschaftlichen, sozialen und weiteren kreativen Werken erlangen auch vormals marginalisierte Inhalte plötzlich ein großes, wenn auch geografisch verstreutes Publikum. Für die Produktion von Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilmen, die nicht dem industriell gesteuerten Mainstreamgeschmack entsprechen, bedeutet dies eine Chance jenseits des Marktes. Durch die kostengünstige digitale Produktionstechnik werden RegisseurInnen aller Kulturen in die Lage versetzt, ihre Filme unabhängig zu produzieren und zusätzlich zu anderen Vertriebswegen via Internet zu publizieren und auch zu bewerben.

Das Forschungsvorhaben International Women’s Film Research Network dient vor dem Hintergrund dieses in Kürze umrissenen Medienwandels einer systematischen Erschließung des kulturellen Filmerbes speziell von weiblichen Filmemachern und fokussiert im besonderen Künstlerinnen, die wie die gebürtige Inderin Mira Nair zwischen verschiedenen Kulturen – in diesem Fall USA, Afrika und Indien – leben und arbeiten. Die Hypothese des Projekts lautet, dass Spuren dieser interkulturellen Position vor allem auf der Ebene der audiovisuellen Gestaltung zu suchen und zu finden sind. Das Projekt baut auf den methodischen Vorarbeiten eines aus der Filmwissenschaft entwickelten bildkomparatistischen Ansatzes auf, der Bildtheorie, Bildgeschichte, Bildästhetik und Bildpragmatik verbindet. Exemplarisch wird hier verwiesen auf die noch zu leistende Analyse der Blickinszenierungen in Filmen internationaler Regisseurinnen, das Geflecht von divergierenden kulturellen Blickstrategien und -tabus, mimischen und gestischen Pathosformeln (Aby Warburg) und deren provokativer Überwindung. Auf die Signifikanz der Blicke im Kino hat u.a. Laura Mulvey in einem grundlegenden Aufsatz hingewiesen und somit eine feministische Diskussion männlicher Inszenierungsnormen angestoßen. Die Politik der Blicke, aber auch andere Themen wie die Körperpräsentation, die Perspektive auf soziale Problemzonen der Kultur und das sichtbare Unbehagen an patriarchalischen Traditionen in Filmen von Regisseurinnen, stehen im Zentrum der interkulturellen Untersuchung einer zunehmend gewichtigeren Tendenz des Weltkinos, das die Wanderschaft von Menschen zwischen den Kulturen filmkünstlerisch verarbeitet.

 

Vier thematisch verbundene Schwerpunkte stehen im Zentrum der Untersuchung: 1) die monografische Aufarbeitung des filmischen Schaffens von Regisseurinnen zu Sicherung und Analyse des kulturellen Erbes; 2) die Untersuchung der Bedeutung von Gender im Schaffen der Regisseurinnen und damit verbunden die Frage der Selbstreflexion, der filmischen Inszenierung von Geschlecht sowie kultureller Identität oder Fremdheit; 3) die Spurensuche nach dem ästhetischen Ausdruck der Interkulturalität; 4) der in den Künstlerbiografien der Regisseurinnen grundgelegte Kulturtransfer.

Projektlaufzeit:  Juli 2008-lfd.

Projektbeteiligte:
PD Dr. Susanne Marschall (Filmwissenschaft)
Jun.-Prof. Dr.  Fabienne Liptay (Kunstgeschichte, LMU München)
Dr. Rada Bieberstein (Filmwissenschaft)
Vera Cuntz  M.A. (Filmwissenschaft)