Deutsch-türkische Kulturkontakte

Eine Veranstaltung des Zentrums für Interkulturelle Studien, des Interkulturellen Büros/ Ausländerbeirats der Stadt Mainz und des Frankfurter Hofs

am 8.12.2001 im Frankfurter Hof/ Mainz

Trotz des bereits vor 40 Jahren begonnenen Zusammenlebens mit Menschen aus der Türkei in der Bundesrepublik Deutschland bestehen noch immer Vorurteile und Unkenntnis über wesentliche Aspekte dieser Kultur. Die in Kooperation vom Frankfurter Hof, dem Interkulturellen Büro/ Ausländerbeirat der Stadt Mainz und dem ZIS vorbereitete Veranstaltung "Deutsch-türkische Kulturkontakte" sollte dazu beitragen, den Dialog zwischen den Kulturen ebenso wie den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik zu befördern und insbesondere das Verständnis für eine eigenständige und bedeutende deutsch-türkische Kultur auf dem Gebiet von Film, Kunst und Literatur zu wecken.

Bildhauerklasse Nierhoff in Ankara und Kappadokien - Austausch der Kunstakademien

Die Bildhauerklasse Nierhoff der Akademie für Bildende Künste der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz besuchte im April 2001 die Akademie der schönen Künste in Ankara. Zentrales Programm war: der Austausch mit den türkischen Studenten und Professoren, eine dreitägige Reise nach Kappadokien, sowie die Präsentation eigener, vor Ort entwickelter Arbeiten im Rahmen einer Ausstellung in der Städtischen Galerie "Cagdas Sanatler Merkezi".Die Mitglieder der Klasse zeigten ihre Reiseeindrücke und -studien mit Dias und einem Videofilm.

Podiumsdiskussion mit Feridun Zaimoglu, Mushin Omurca, Dr. Kati Röttger und Miguel Vicente :
Kanake sein oder Kanake sagen? Stereotypen - Fremdbilder - Selbstbilder - Umsetzung und Wirkung in Kunst und Öffentlichkeit

Sowohl Feridun Zaimoglu als auch Mushin Omurca stellen den Begriff "Kanak" gezielt in den Vordergrund ihres künstlerischen Schaffens. Inzwischen hat diese Bezeichnung mit der Kanak-Bewegung längst die Hürde der Abwertung genommen und sich mit neuem Selbstverständnis zur stolzen deutsch-türkischen Haltung lanciert.

Ein Phänomen, auch von allgemeinem Interesse, was das Selbstverständnis von "Ausländern" anbelangt. Parallel zur Integration entwickelt sich ein neues Selbstverständnis, das Ursprünge und Erlebnisse und Konfrontation im "neuen" Land vereint.

Humor und Satire nehmen eine wichtige Position bei der Spiegelung dieser Entwicklung und dem Aufbrechen von festgelegten Stereotypen und Fremdbildern ein. Was will die Kunst? Was bewirkt die Kunst? Welche Reaktionen folgen auf die verstärkte Darstellung von Klischees in der Kunst?

Darüber und über vieles mehr diskutierten Feridun Zaimoglu als Autor, Mushin Omurca als Kabarettist, Dr. Kati Röttger als Theaterwissenschaftlerin der Uni Mainz und Miguel Vicente als Geschäftsführer der AG der Ausländerbeiräte RPL. Die Moderation übernahm Prof. Alfred Hornung als Sprecher des Zentrums für Interkulturelle Studien.

 

Lesung von Feridun Zaimoglu

Feridun Zaimoglu wurde in der Türkei geboren und wuchs inDeutschland auf. Mittlerweile mit seinen Büchern "Kanak Sprak", "Abschaum" oder "Koppstoff" zum Kultautor avanciert, setzt er sich mit Beobachtungen und Entwicklungen der deutschen und deutsch-türkischen Gesellschaft auseinander. In seinem neuen, jüngst zur Buchmesse erschienenem Kompendium, reihen sich Reportagen, Erzählungen und frei erfundene Galaxy-Interviews, in denen sich berühmte und kuriose Leute um "Kopf und Kragen" (so der Titel) reden, aneinander. "Ich bin bekannt dafür, keine verschnarchten Kulturleistungen zu bringen", so Feridun Zaimoglu.

Kabarett mit Mushin Omurca: Kanakmän - tags Deutscher, nachts Türke

Solo Cartoon-Kabarett von und mit Mushin Omurca (Ex-Knobi-Bonbon)

Ein Deutscher mit Proltürk-Gesicht. Ein Deutscher, der mit dem Artikel "der, die, das" nichts am Hut hat. Ein getürkter Deutscher, der zum Gespött aller wird und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Türkei.

Was bleibt Hüsnu anderes übrig als die Flucht in seine Phantasien. So flüchtet er sich, wann immer möglich, in seine neue Heimat "Phantasia - Deutschland", wo er der mächtigste, coolste, angesehenste Hauptdarsteller ist. Dort ist er der Held aller Türken, der Rächer aller Ausländer, der Albtraum aller Chefs der Ausländerämter. Er ist der Superman mit eigenen Initialen auf der Brust.

Film: Ich Chef, Du Turnschuh
Fernsehfilm von Hussi Kutlucan (1997)


Das Wort von der "ausweglosen Situation" ist Dudie - Regisseur Kutlucan als sein eigener Hauptdarsteller - völlig unbekannt. Dabei ist er wirklich vom Pech verfolgt. Die Odyssee des armenischen Asylbewerbers beginnt auf einem Containerschiff in Hamburg. Von da verschlägt es Dudie nach Berlin. Mit einem Afrikaner, einem Iraner und einem Armenier teilt er sich eine Ein-Zimmer-Wohnung und findet illegal Arbeit auf einer Baustelle am Berliner Reichstag. Als er einen Streik wegen ausbleibender Lohnzahlungen organisiert, kommt plötzlich die Polizei. Dudie flieht und schlägt sich fortan durch den deutschen Illegalen-Dschungel. Mit unbekümmertem Charme und seiner Gabe zum Geschichten erzählen, findet er immer wieder einen Ausweg. Er wird Ersatzvater für den Sohn seiner deutschen Freundin Nina, findet Arbeit in einem türkischen Restaurant - aber da fangen die Probleme erst an...