PD Dr. Silke Hensel

Sommersemester 2004

PD Dr. Silke Hensel ist Historikerin und beschäftigt sich mit Fragen zur Migration, Rassismus, der Inklusion und Exklusion von Minderheiten sowie der Ausbildung von kollektiven Identitäten auf der Grundlage ethnischer Grenzziehungen. Mit ihren Untersuchungen zeigt sie, dass Kollektive wie Nationen oder Ethnien nicht auf einem schon immer existierenden Wesen beruhen, sondern historisch geworden sind und einem ständigen Wandel unterliegen. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Forschung liegt auf der Untersuchung von transnationalen Verbindungen und kulturellen Transferprozessen.

1964 in Soltau geboren, studierte sie Geschichte, Politische Wissenschaft und Geographie an der Universität Hamburg und der Universidad de Guadalajara (Mexiko). 1995 wurde sie in Hamburg promoviert. Das Thema ihrer Dissertation lautet „Die Entstehung des Föderalismus in Mexiko. Die politische Elite Oaxacas zwischen Stadt, Region und Staat, 1786-1835“ (Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1997, Studien zur modernen Geschichte, Bd. 49). Seit 1996 war sie an den Universitäten Hamburg, Bielefeld und Köln tätig. Außerdem lebte sie für längere Zeit in Mexiko und den USA. 2001 habilitierte sie sich mit einer Studie über den Wandel der kollektiven Identitäten von Mexican Americans und Puertoricanern in den USA (die Studie erscheint demnächst unter dem Titel: Leben auf der Grenze. Diskursive Aus- und Abgrenzungen von Mexican Americans und Puertoricanern in den USA, Frankfurt: Vervuert Verlag). Diese Forschung wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt. Ihr aktuelles Forschungsvorhaben behandelt die Kontakte von Afrobrasilianern in den Black Atlantic . Damit stehen ein transnationaler, kontinentübergreifender Raum und seine Bedeutung für die afrikanischstämmige Bevölkerung Brasiliens im Mittelpunkt.


Ringvorlesung „Die soziale Konstruktion von ‘Rassen' und ethnischen Gruppen in der Geschichte“

Mai 2004 Die Erfindung von „Rassen“ und ethnischen Gruppen als welthistorisches Problem

Juni 2004 Soziale Schichtung im kolonialen Lateinamerika: Die Entstehung des „Kastensystems“

Juli 2004 Migration und Ethnizität in den USA: Vom melting-pot zur multikulturellen Gesellschaft?

Juli 2004 Haben Nationen einen ethnischen Ursprung?

Die Vorstellung von Kulturunterschieden als Konfliktursache, die in letzter Konsequenz zu Krieg und so genannten „ethnischen Säuberungen“ führen können, ist in den letzten Jahren sowohl in akademischen Kreisen als auch in der Öffentlichkeit verstärkt thematisiert worden. Die These von Samuel Huntington, der nach dem Ende des Kalten Krieges Kulturzusammenstöße als die künftig global wirkenden Probleme sieht, trug dazu wesentlich bei und erhielt angesichts der Terroranschläge in New York und Washington im September 2001 einen enormen Auftrieb. Das Problem dieser Vorstellung liegt allerdings in einer diskursiven Festschreibung von Kulturen auf einzelne, scheinbar nicht veränderbare Merkmale.

In der Vortragsreihe wurde dagegen anhand von Beispielen aus der Geschichte verschiedener Weltregionen aufgezeigt, dass nationale oder ethnische Kollektive aufgrund spezifischer Prozesse entstanden und einem historischen Wandel unterworfen sind.


Vorlesung "Ein Doppelkontinent in Bewegung: Migration in Lateinamerika und den USA"

Die Geschichte Lateinamerikas und der USA ist die Geschichte verschiedenster Wanderungsbewegungen innerhalb des Kontinents aber vor allem zwischen Europa sowie Afrika und den Amerikas. Seit dem 19. Jahrhundert spielen in geringerem Umfang auch Migrationen aus Asien eine Rolle. Die Vorlesung behandelt diese Entwicklung seit der Kolonialzeit. Neben theoretischen Aspekten aus der Migrationsforschung soll es um die Frage der konkreten Migrationsströme, ihren Ursachen und Folgen gehen.

Literatur: D. Hoerder: Cultures in Contact: World Migrations in the Second Millenium, Durham/London 2002. W. Nugent: Crossings: The Great Transatlantic Migrations, 1870-1914, Bloomington 1992. J. Lucassen, L. Lucassen (Hg.): Migration, Migration History, History: Old Paradigms and New Perspectives, Bern 1997.


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