Dr. Christoph Günther

Sommersemester 2016



Dr. Christoph Günther (Max Planck Institute for Social Anthropology, Research Group: Integration and Conflict, Halle/Saale; Post-Doc)

Gastgeber: Prof. Dr. Matthias Krings (Institut für Ethnologie und Afrikastudien)

Vortrag im Institutskolloquium des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien
„Konfessionalismus als Autoritätsquelle des ‚Islamischen Staates‘“
14. Juni 2016, Campus Mainz, Forum 7, Hörsaal 14, Raum 01-715

Vortrag im Institutskolloquium des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien
„Mehr als bloßer Terrorismus: Der Islamische Staat“
13. Juli 2016, Campus Mainz, Hörsaal N2 (Muschel), Raum 00-512

Christoph Günther promovierte 2013 an der Universität Leipzig zum Thema Ein zweiter Staat im Zweistromland? Genese und Ideologie des "Islamischen Staates Irak". Seine Forschungsschwerpunkte sind neuzeitliche Reformbewegungen und politische Ideen in der arabisch-islamischen Welt sowie visuelle Kultur und Ikonographie. Er forscht zur Ideologie und visuellen Kultur des „Islamischen Staates“ (IS).

Dr. Günther ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung (Abteilung: Integration und Konflikt) in Halle/Saale und lehrt an den Universitäten Marburg und Leipzig. Zuvor war er Kollegiat am DFG-Graduiertenkolleg „Religiöser Nonkonformismus und kulturelle Dynamik“ der Universität Leipzig und verfasste dort seine Promotion (2010–2013). Sein Magisterstudium (2002–2008) absolvierte er in den Fächern Islamwissenschaft, Geschichte und Arabistik an der Universität Bamberg sowie 2004/2005 an der Universität Kairo (Faculty of Arts / Department of Arabic Language).

Als ausgewiesener Experte der Ideologie und visuellen Kultur des „Islamischen Staats“ (IS) wird er regelmäßig von den Medien zu Rate gezogen und bezieht in diesen mit seinem detaillierten, fundierten Hintergrundwissen Stellung.

Dr. Günther wird während seiner Gastprofessur an der Ausarbeitung des Drittmittelantrags zum Projekt „Dschihadismus im Internet. Zur Gestaltung, Rezeption und Aneignung radikalislamischer Online-Propaganda“ der Mainzer Ethnologie (Prof. Krings) mitarbeiten. Das Projekt untersucht sowohl die IS-Propaganda wie ihre Rezeption und deren Ausdruck in Form eigener Texte, Bilder und Videos. Relevant und innovativ ist ein solches Forschungsunternehmen, da es sich disziplinübergreifend dem allerjüngsten erheblichen Wandel in der gestalterische Qualität radikalislamischer / dschihadistischer Propaganda widmet, der seit 2013 zu beobachten ist, und besondere gesellschaftliche Fragen aufwirft. Die Untersuchung der Ästhetik und ihrer Formen der Aneignung durch intendierte und nicht-intendierte Rezipienten ergänzt und erweitert die vorhandene, primär politologische oder islamwissenschaftliche Forschung um eine medienkulturwissenschaftliche, medienanthropologische Perspektive. Diese kann in neuartiger Weise Einsicht geben in die Selbst- und Fremdwahrnehmung von Dschihadisten, nimmt aber – durch die Berücksichtigung der Rezeptionsseite, die selbst wieder produktiv wird – auch die Erlebniswelt des islamistischen Extremismus als eine solche in den Blick. Als Untersuchungsgegenstand werden zunächst zur eingehenden Analyse Videos des sogenannten Islamischen Staats ausgewählt, die gezielt an ein nicht-regionales Publikum – das des „globalen Nordens“ – gerichtet sind. Ergänzend wird regionales arabisches Material aus Syrien und dem Irak ausgewertet, sowie arabisch- und hausasprachiges Material der nigerianischen Gruppe Boko Haram, die sich im März 2015 formell dem IS angeschlossen hat.



Monografien u. Sammelbände

2014 Ein zweiter Staat im Zweistromland? Genese und Ideologie des „Islamischen Staates Irak“.Würzburg: Ergon.



Aufsätze (Auswahl)

2016a Building up a Masculine State: On the Warriors of the Islamic State. In: Tim Epkenhans / Olmo Gölz (Hg.): Masculinities and Violence in the Middle East. Oxford: Oxford University Press (zur Publikation angenommen).

2016b Mehr als bloßer Terrorismus. Der Islamische Staat als soziale Bewegung und Para-Staat. In: Zeitschrift für Politik, 62. Jg., Nr. 1., S. 93–118 (m. T. Kaden).

2016c Beyond mere Terrorism. The Islamic State’s Authority as a Social Movement and as a Quasi-State. In: S+F Sicherheit und Frieden, 34. Jg., Nr. 2 (m. T. Kaden) (zur Publikation angenommen).

2016d Dschihadistische Rechtfertigungsnarrative und mögliche Gegennarrative. In: Janusz Biene [et al.] (Hg.): HSFK-Report Nr. 4/2016 (HSFK-Reportreihe „Salafismus in Deutschland“), (m. S. Schröter, M. Ourghi und N. Wiedl) (im Druck).

2015a Presenting the Glossy Look of Warfare in Cyberspace – The Islamic State’s Magazine Dabiq. In: Cyber-Orient. Online Journal of the Virtual Middle East, 9. Jg., Nr. 1.

2015b Der Islamische Staat und die Islamisierung des Abendlandes. In: Janusz Biene / Martin Schmetz (Hg.): Kalifat des Terrors. Interdisziplinäre Perspektiven auf den Islamischen Staat. Frankfurt a. M.: epubli. S. 13–18.

2015c Al‐Qaida in Iraq beyond Rhetoric: The Visualization of an ‘Islamic State of Iraq’. In: Sociology of Islam, 3. Jg., Nr. 1‐2, S. 30–48.

2015d Religiöser Nonkonformismus als Machtinstrument: Die Makkabäer und der Islamische Staat. In: Zeitschrift für Religionswissenschaft, 23. Jg., Nr. 1, S. 88–115.

2014a Obey the Emerging Caliphate. The Ideological Framework of the “Islamic State” in Iraq and the Levant. In: Orient, 55. Jg., Nr. 4, S. 16–21.

2014b The Land of the Two Rivers under the Black Banner: Visual Communication of al‐Qaʿida in Iraq. In: International Journal of Contemporary Iraqi Studies, 8. Jg., Nr. 1, S. 35–53.