Vergleichende Indigenitätsstudien

In den zurück liegenden Dekaden beobachten wir nicht nur eine beschleunigende Globalisierung, sondern auch gegenläufig-reaktive Prozesse von Re-Ethnisierung, der Wiederaneignung von Traditionen und der Neuinszenierung von Indigenität.

Erste explorative Felduntersuchungen dazu wurden für den Zeitraum von Oktober 2011 bis Februar 2012 in Auftrag gegeben. Es konnten kulturvergleichend Indigenisierungsprozesse in Kolumbien, Neuseeland und auf den Marquesas-Inseln begleitet und dokumentiert werden.

Ein Symposium im Mai 2012 erlaubte mit der Präsentation von Einzelstudien einen Vergleich der Vorgänge in unterschiedlichen Weltregionen. Vertreter unterschiedlichster Disziplinen, darunter Geographie, Ethnologie, Amerikanistik, Rechtswissenschaft, Theaterwissenschaften, Psychologie, Museologie, Pacific Studies, stellten aus ihren jeweiligen Fachperspektiven beleuchtet Fallbeispiele aus den Regionen Nordafrika, Amerika und Ozeanien vor. Fragestellungen und Hypothesen wurden entwickelt, die Ansätzen einer allgemeinen Theorie dieser Phänomene und dem Umriss eines entsprechenden Paradigmas der Indigenitätsforschung zu Grunde gelegt werden können.

Eine Folgetagung fand unter dem Thema First Peoples - Rights and Representations im März 2013 in Wellington statt. Juristen und Kulturwissenschaftler diskutieren Fragen indigener Rechte sowie der Selbst- und Fremddarstellung von First People in Gesellschaften, die sich aus Nachfahren von Erstbevölkerungen und kolonialen Siedlern zusammensetzen.

Die Maori in Neuseeland haben, was Verfügungsrechte über Ressourcen, sowie die Selbstbestimmung über das eigene Bild betrifft, beispielhafte Erfolge erzielt. Wie kaum ein anderes Gemeinwesen bekennt sich die Gesellschaft Neuseelands zu ihrer bikulturellen Verwurzelung. Auf Grund seiner relativ späten Kolonisierung und einer selbstbewussten Interessenvertretung der Maori-Erstbevölkerung hat sich Aotearoa (Maori-Bezeichnung für Neuseeland) zu einem Modell der Koexistenz unterschiedlicher Episteme entwickelt, welche unter anderem neue Formen der Wissenspraxis und Wissenschaftspolitik hervorgebracht haben.

 Im Sommersemester 2013 war zudem die an der Victoria University of Wellington lehrende Ethnologin Prof. Dr. Brigitte Bönisch-Brednich als ZIS-Gastprofessorin in Mainz. 

Laufzeit: 2011 – lfd.
Finanzierung: 2011 Förderlinie 1; 2012 Symposium: ZIS, CCNIS, SOCUM ; 2012: Geographisches Institut

Beteiligte Mainzer Wissenschaftler:
Prof. Mita Banerjee (Amerikanistik – Sprecherin)
Prof. Michael Bachmann (Theaterwissenschaft)
Prof. Dieter Dörr (Rechtswissenschaften)
Prof. Anton Escher (Geographie)