Vortrag Prof. Popp

Prof. Dr. Herbert Popp (Bayreuth): Kollektive Getreidespeicher in Südtunesien und Südmarokko zwischen Verfall, Bewahrung als Kulturerbe und aufkeimendem Kulturtourismus

Januar 2012

 

Am Nordrand der Sahara, zwischen dem libyschen Dschebel Nefousa und dem marokkanischen Antiatlas, erstreckt sich ein Übergangssaum, der zwar gerade noch marginale landwirtschaftliche Erträge ermöglicht, in dem aber in der Ver­gangenheit ausgeklü­gelte Produktions- und Vorratstechniken notwendig waren, um überleben zu können. Das wichtigste, bis heute noch erhaltene (bau­liche) Element dieser Produktionsweise sind die Speicherburgen, die in Tune­sien Ksar und in Südmarokko Agadir genannt werden.   Sie sind heute zum größten Teil nicht mehr in Funktion. Deshalb drohen sie einesteils zu verfallen. Andererseits keimt gegenwärtig eine Bewegung auf, die unter der Be­zeichnung „patrimoine culturel“ (Kulturerbe) von der lokalen bis zur globalen Ebene diese Objekte nunmehr positiv wahrnimmt, bewahren will und durch Restaurierungsmaßnahmen erhält. Hinzu kommt noch ein Trend im gegenwärtigen Kulturtourismus, der diese Objekte ebenfalls entdeckt und für sein touristisches Produkt „Heritage-Tourismus“ nutzen will.   Das Referat zeigt anhand eines Vergleichs Südtunesiens und des marokkani­schen Antiatlas für diese extrem photogenen und eindrucksvoll erscheinenden Objekte einer materiellen Kultur (a) ihre ehemalige Funktionsweise und Organi­sationsprinzipien, (b) ihren heutigen baulichen Zustand und ihre Nutzung, (c) die Auswirkungen der Kulturerbephilosophie auf eine Neuwahrnehmung und einen neuen Umgang mit den Speicherburgen sowie (d) das Interesse des Kulturtourismus an ihnen.