Interkulturelle Transmedialität in der Popmusik und ihren Texten: Dekontextualisierungen in Paul Simons 'Graceland' und Talking Head`s 'Remain in Light'

Dr. Sascha Seiler

Datum: 4.Mai 2010

Seit den späten 70er Jahren spielen interkulturelle Annäherungen auch in der Popmusik eine wichtige Rolle, primär durch die Erforschung neuer, nicht explizit westlich-tradierter musikalischer Texturen. Künstler wie Peter Gabriel und die Band Talking Heads gehörten zu den ersten angloamerikanischen Interpreten, die etwa verstärkt Elemente afrikanischer Musik in ihre Songs aufnahmen. In den 80er Jahren entstand in der Folge ein regelrechter popmusikalischer Ethnotourismus, der sich, den Gesetzen der Kulturindustrie folgend, recht schnell im Mainstream etablierte und somit seine künstlerische Glaubwürdigkeit einbüßte.

Interessant wird im Kontext der Interkulturalität der Fall jedoch, wenn der Künstler nicht nur das ‚kulturell Fremde‘ rezipiert, sondern es im Song selbst dem ‚Bekannten‘ gegenüberstellt, was letztlich, überspitzt formuliert, einen popmusikalischen Third Space zur Folge hat. Gleichzeitig hat ein solcher Song auch wiederum differente Rezeptionsarten zur Folge, die neue Ästhetiken bedingen.

Gezeigt werden sollen diese Prozesse unter anderem an den Alben „Remain in Light“ (1980) der amerikanischen Band Talking Heads und „Graceland“ (1986) des gleichsam amerikanischen Interpreten Paul Simon, sowie ihrer Rezeption, etwa die Verfremdungstechnik auf Peter Gabriels Coverversionenalbum „Scratch my Back“ (2010).

 

Sascha Seiler ist Akademischer Rat am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Mainz.  Er promovierte 2006 mit einer Arbeit zu „Populärer Kultur in der deutschen Literatur nach 1960“. Forschungsschwerpunkte im Bereich der Populären Kultur, der nord- und südamerikanischen Literatur, der Postmoderne und der Intermedialität Nebenbei schreibt er als Musik- und Filmjournalist für verschiedenen Medien.

Letzte Buchveröffentlichungen: Von Zäsuren und Ereignissen. Historische Ereignisse und ihre mediale Verarbeitung (Hg. mit Thorsten Schüller)(2010, im Erscheinen);  Handbuch der literarischen Gattungen (Hg. von Dieter Lamping mit Sandra Poppe, Sascha Seiler und Frank Zipfel) (2009); 9/11 als kulturelle Zäsur. Repräsentationen des 11. September 2001 in kulturellen Diskursen, Literatur und visuellen Medien (Hg. mit Sandra Poppe und Thorsten Schüller) (2009); Was bisher geschah. Serielles Erzählen im zeitgenössischen amerikanischen Fernsehen (2008); Literarische Medienreflexionen (Hg. mit Sandra Poppe) (2008).